Seite 3 von 3
#31 RE: Jungpferde wie starten? von GilianCo 11.06.2018 21:39

avatar

Heute ist das scheinbar kaum noch vorstellbar... ich werde für meine Idee, nächstes Jahr erst zu reiten, schon schräg angeguckt...

#32 RE: Jungpferde wie starten? von Merphi 12.06.2018 08:02

avatar

Mir geht es auch so. Ich bekomme immer einen Schrecken, wenn ich mal außerhalb meiner Blase unterwegs bin. Da sind verhärmte, bis an die Ohren bandagierte, zusammengezurrte, vor sich hin hustende Pferde eher die Regel als die Ausnahme. Generell fehlt es an Basiswissen und vor allem am Gefühl. Ich habe ganz oft den Eindruck, dass vielen Menschen das Gespür für Ihre Umwelt und Ihre Mitlebewesen völlig verloren gegangen ist. Da wird blind geglaubt, was man gehört hat, gelesen hat. Die Argumente sind zum Teil so stumpf, dass sie einer einfachen Nachfrage nicht standhalten, diese Nachfrage kommt aber nicht. Das Interesse, sich damit zu beschäftigen, fehlt einfach, es geht nur um das Erfüllen der eigenen Bedürfnisse und den Fun, den man selber hat. Das gilt nicht nur für die Reiterei, man siehe all die Kleinkinder, die mit Smartphones ruhiggestellt irgendwo den Rücken krumm sitzen, damit die Eltern ungestört ihr Ding machen können. Ich bleib in meiner Blase und freu mich über alle, die mit dabei sind.

#33 RE: Jungpferde wie starten? von Ameli 12.06.2018 08:24

avatar

Hallo,

einfach übernehmen heißt ja auch, daß man eben nicht hinterfragen muß. Und dann hat man wunderbar die Verantwortung abgegeben. 'XY hat gesagt...', dann wird es schon richtig sein.

Natürlich gibt es unter den Jungspunds auch Frühreife und Streber. Da muß man dann aufpassen, im Eifer nicht zu viel zu machen.

LG
Ameli

#34 RE: Jungpferde wie starten? von küwi 06.09.2019 11:07

avatar

Ich hole diesen Thread einmal hoch, weil beim Schokohasen so viele interessante Aspekte auffallen, die vielleicht hier besser diskutiert werden sollten

Ich denke, wir können uns zumindest insoweit einig sein, dass es zig verschiedene Varianten gibt, wie man sich (im Reitsport) einem gewissen Thema nähert und dass viele verschiedene Wege zum Ziel führen.
Und es gibt selten bis nie eine Möglichkeit, die (allenfalls nicht vorhandene) Sinnhaftigkeit der Varianten direkt zu vergleichen.

Letztendlich wollen wir alle - unabhängig von der Reitweise und dem Ausbidungslevel - ein nach Möglichkeit korrekt gymnastiziertes Pferd, das gut an den Hilfen steht und entsprechend seiner mentalen oder körperlichen Fähigkeiten gefördert wird.
Aber da ein Forum letztlich vom Diskutieren lebt und wir eh sonst kein anderes spannendes Thema haben, würde ich gerne um Eure weiteren Meinungen bitten

#35 RE: Jungpferde wie starten? von GilianCo 06.09.2019 16:32

avatar

Ich muß ehrlich gestehen, dadurch, das ich selber noch kein Pferd eingeritten habe, fehlt mir da tatsächlich etwas die Erfahrung - ABER ich finde, das das, was Corinna uns gezeigt hat, total alters - bzw. Ausbildungsentsprechend ist.

Das Pferd lernt, das der Reiter da oben Kommandos gibt. Er lernt die Zusammenarbeit - und er lernt irgendwann auch, feinfühliger zu werden, wo am Anfang die Hilfen, einfach, weil er sie erst kennenlernt, noch "deutlicher", quasi "klarer" erfolgen müssen. Kann Das Pferd erst einen Druck des Schenkels bzw. seine Bedeutung als Hilfe nachvollziehen (ich sehe bei meinem Kleinen teilweise echt sein niedliches, konzentriertes Gesicht vor mir, wie er denkt, weil er BITTE alles richtig machen will, und die Hilfe "befolgen" will, auch wenn er noch gar nicht ganz sicher ist, was sie nun wirklich bedeutet), dann kann dieser Druck auch geringer werden. DANN kommt man nach meinem Verständnis zu dem, was dann das feine Reiten ausmacht, nämlich, das die Hilfen irgendwann fast unsichtbar erfolgen sollen, wie schon hier und da geschrieben, mit einem leichten Anspannen der Muskulatur an der Wade. Das Pferd kennt das Signal, und setzt es trotz des geringeren Drucks, den die leicht angespannte Wade ausübt, dann korrekt um.

Ich habe in anderen Foren schon wilde Diskussionen darüber geführt, das eine Züchterin erklärte, das die Reiterhilfen ALLE für das Pferd intuitiv verständlich wären. Ich konnte mich, bei meinem eigenen, mit @anchesa im Sattel, deutlich davon überzeugen, das ich das auch als "Laie" bezüglich es Einreitens, korrekt eingeschätzt habe, nämlich, das das Pferd die Gewichtshilfen durchaus noch umsetzt, weil das tatsächlich bis zu einem gewissen Maß intuitiv ist, die Schenkelhilfen aber, wie vieles andere, einfach erlernt werden müssen.

Spannend finde ich dann übrigens, was ich schon unter "verschiedene Vorgehensweisen" verbuchen würde - wie mein Jungpferd das erste Anreiten, den ersten Reiterkontakt, und, letzten Endes diesbezüglich am spannendsten, die ersten gegebenen Hilfen umsetzt.

Ich kenne von anderen quasi fast ausschließlich die Variante, das das Pferd bis dreijährig (oder wie alt auch immer) auf der Weide steht, dann einige Zeit longiert wird, meist auch irgendwann mit Sattel, dann kommt ein Sattel aufs Pferd, und dann irgendwann an der Longe der Reiter. Dann lernt das Pferd anhand dessen die Reiterhilfen kennen, und so weiter. Nur eine einzige Reiterin, ehemalige Einstellerin bei uns, hat es im Vorgehen ähnlich gemacht wie ich. Sie hat viel an der Hand und an der Longe gearbeitet, das Reiten aber noch vollkommen außenvor gelassen. Die Bereiterin, die dann irgendwann sowohl ihren Wallach, als auch den Junghengst meiner ehemaligen SB, geritten hat, hat auch gerne bestätigt, das diese beiden Pferde grundsätzlich beide ihren Job "gut gemacht" haben, man die Unterschiede aber deutlich gemerkt hat - denn der bereits viel an der Hand und an der Longe gezielt gearbeitete Wallach war einfach schon viel ausbalancierter, als der Hengst - der war zum Einreiten einmal für vier Wochen auf eine Hengststation gekommen, und ging danach dann Schritt, Trab und Galopp unter dem Reiter - ihm fehlte aber sehr viel von der Sicherheit, die der Wallach bereits hatte. Sie waren nun auch nicht gleichalt, sondern der Hengst noch ein Jahr jünger - ich denke aber dennoch, daß das nicht der einzige Grund dafür war, das der Wallach das Reiten deutlich entspannter umsetzte.

MEIN Jungpferd hat schon als ich ihn kennenlernte, mit eineinhalb, einiges an Bodenarbeit gekannt. Ich habe dann glaube ich nach einem dreivierteljahr (müsste noch mal nachschauen) oder so das erste mal ein Gebiss eingeführt, so das er das auch schon früh kannte. Er ist als zweijähriger auf der Messe auf der Zuchtschau noch als Hengst vorgestellt worden, das wollte ich tatsächlich gerne mit Trense, und nicht nur mit Halfter, weil es mir schon sicherer erschien.

Dadurch kannte er die Trense tatsächlich schon recht früh im Reitpferdeleben. Als nächstes kam dann dazu, das ich ihn an die Arbeit am Kurzzügel herangeführt habe. Auch hier hatte ich zwischendrin einmal Unterstützung von @anchesa.

Dabei hat Ragnar beispielsweise gelernt, das wenn ich mich umdrehe zu ihm, je nach Winkel meiner Schulter, das dies "HALT" bedeutet. Das wurde dann in den ersten Kursen mit dem Pony noch verfeinert, weil auch zum Beginn der Seitengänge ein Drehen der Schulter erfolgt, was der junge Mann nun unterscheiden lernte. (und man konnte sicher sein, wenn es mal nicht klappte mit dem Seitengang, dann war wirklich die Schulter falsch - der junge Mann ist ja nicht doof *g*)

Nun wird er seit einigen Wochen immer mal für einige Minuten mit Reitergewicht belastet. Und es wird mir gesagt, das meine Vorarbeit (mittlerweile ja auch Langzügelarbeit, hierbei neben dem "normalen" geradeaus auch schon Übergänge zum Trab, vom Trab zum Schritt, wo dann auch wieder unter anderem die Anspannung des Kreuzes, wie beim Reiten, zum Tragen kommt, ebenso wie Seitengänge wie Schulterherein, Kruppeherein und so weiter) dem Kleinen beim Erlernen der Reiterhilfen sehr hilft. Ich war schon vorher davon überzeugt, das das einfach hilfreich sein wird, daher habe ich es ja auch genau so durchgeführt. Dazu kommt, das mir die Arbeit besonders am Langzügel auch einfach Freude macht, und ich sie mit meinem zweiten Pferd genauso fortführen möchte, wie mit meinem Senior...

#36 RE: Jungpferde wie starten? von anni257 06.09.2019 17:32

avatar

Die Antwort auf die Frage "Wie starte ich mein Jungpferd?" ist ohnehin so einfach zu beantworten, wie die Frage "Wie erziehe ich mein Kind?"
Bei 10 Leuten hat man wahrscheinlich mindestens 12 Meinungen und jede davon ist richtig.

Es muss eben jeder selber wissen, was für das eigene Tier und einen selber richtig ist und dann kann man sich am Ende des Tages auch zurücklehnen. Heute Hüh und morgen Hott hilft auch nichts, insofern muss man eben auf seine innere Stimme hören. Eine Formel gibt es nicht und Fehler wird jeder (!) machen. Es kommt eben darauf an, wie man damit umgeht.

Unter`m Strich finde ich sowieso, dass es völlig egal ist, WARUM ein Pferd korrekt geht, Hauptsache es geht gesundheitserhaltend! Wer jetzt sein Pferd auf "Schnucki, komm, Galopp!" korrekt angaloopieren kann und dazu keine Hilfe braucht... so what?

Mit Galeon hatte ich das leider nicht, daher will ich natürlich Fortuna optimal und leicht vorbereiten, statt ein "vergurktes" Pferd zu haben. Ich kann aber auch jeden verstehen, der sich ein angerittenes oder fertiges Pferd kaufen will. Jeder hat seinen Fokus und sollte ihn auch haben. Wer eben ein 100% "unversautes" Pferd will, der sollte ungeritten kaufen (und es selber versauen ), oder aber man kauft eben (an-)geritten und muss mit den Konsequenzen leben und gucken, wie man ein Training zum "guten" Pferd hinbekommt.
Genau das sehe ich beim Schokohasen. Man muss eben mit dem arbeiten, was man hat.

Zitat von Cancanca im Beitrag Ideologo Rey





Ich finde, dass die Reiterin geschmeidig mit der Hand mitgeht, den recht tiefen und breiten Zügel kann ich an sich nachvollziehen. Ich kenne jetzt ja auch die Geschichte und weiß, dass aus "Schmidtchen Schleicher" "Herr Schmidt" geworden ist und das Ziel sehe ich in dem Video. Die HH und die VH sind für so einen jungen Spanier schon ganz gut aufeinander eingestimmt und im Vergleich zu vorigen Videos hat sich dahingehend--und insgesamt--sehr viel Positives getan. Die extreme Unsicherheit sieht man ihm kaum noch an und ich würde vom letzten Video her nicht denken, dass er so unsicher und schreckhaft war. Insgesamt läuft er für so einen jungen Bub für mich völlig normal, mit allen Anlehnungsschwierigkeiten und der Tendenz zum Einrollen, die ich von jungen Spaniern so kenne. Bei einem WB würde man jetzt vielleicht "zu eng" schreien, aber vom Exterieur her neigt der Schokohase eben--spaniertypisch--dazu. Kein Grund zur Sorge, ich denke schon, dass das im Blickfeld ist.

Wenn ich eine "Kritik" @Cancanca, oder vielleicht eine Idee, geben darf, dann ist es die Einwirkung der Gewichtshilfen in Abstimmung auf die Schenkelhilfe. Da ich aber nicht weiß, ob das überhaupt gewünscht ist, halte ich mich hier und jetzt zurück, bis ich die "Genehmigung" dazu kriege.

Ich muss aber dazu von vorne herein sagen: ICH kann es NICHT besser! Ich habe hier ganz leicht reden, bequem vor meinem PC und mit einem Zweijährigen Pferd, das vom Einreiten weit entfernt ist. NOCH kann ich Verbesserungsvorschläge einbringen, aber wartet mal die nächsten 1-2 Jahre ab... dann stehe ich nämlich hier mit einem Jungpferd, das eingeritten werden soll und dann sehen wir mal, wo es bei mir hakt!!!

#37 RE: Jungpferde wie starten? von Cancanca 06.09.2019 19:37

avatar

Danke @anni257 für deine Einschätzung. Ich denke, über das letzte Video des Schokohasen ist genug diskutiert worden. Von daher möchte ich von weiteren Diskussionen Abstand nehmen.

Ich kann nur Eines noch sagen. Ich habe in meinem Reiterleben nun schon diverse Pferde ein- und anreiten dürfen. Keines der Pferde, allesamt Sportpferde, ist damit negativ belastet, und aus allen Pferden ist etwas geworden. Eben Sportpferde - und mit diesem Ziel bilde ich meine Pferde aus.

Ihr alle kennt meine Reiterei durch die zahlreichen Düsi-Videos, und wie oft habe ich gelesen, sie schön es ist, mit wie wenig Aufwand ich meine Hilfen gebe und wie harmonisch das Gesamtbild ist. Ebenso soll es bei Herrn Schmidt werden, und ich bin mir sehr sicher, dass es irgendwann genau solche harmonischen Videos auch von ihm zu sehen geben wird, aber eben alles zu seiner Zeit.

Ich stehe auf demselben Standpunkt wie Conny, nämlich, dass die Hilfengebung mit der Zeit immer mehr verfeinert wird, das Pferd es lernt, Gewicht, Bein und Zügelhilfe durch die regelmäßig feiner werdende Arbeit zu akzeptieren und umzusetzen, und genauso wird es bei Herrn Schmidt auch passieren, davon lasse ich mich auch nicht abbringen. Und genauso sieht es die momentane Reiterin auch, die ja nur eine Art “Zwischenlösung” ist, da ich meinem Hengst erstmal die Sicherheit vom Boden aus geben wollte, während er geritten wird. Der Plan scheint nun aufzugehen und in ein paar Wochen, wenn ich das Gefühl habe, dass er sicher genug ist und mich nun am Boden nicht mehr braucht, werde ich mich wieder reiterlich mit ihm beschäftigen und meinen eigenen Weg der Ausbildung - so wie ich es auch mit dem Düsi gemacht habe, weiter verfolgen.

@GilianCo

Ich muss hier einfach mal erwähnen, wie großartig ich es finde, wie du es mit Ragnar handhabst. Du hast ihn für das Reiten optimal vorbereitet, ohne ihm “zu viel Kraft” angedeihen zu lassen, was sich für das Anreiten kontraproduktiv gestalten würde, sondern ihn mit viel Bedacht altersgerecht gymnastiziert. Ich bin sehr gespannt, wie es mit ihm weitergeht....

#38 RE: Jungpferde wie starten? von Chiara 06.09.2019 20:22

avatar

Mach dir keinen Kopf .... auch Gitano war am Anfang ein richtiger Büffel und man musste ordentlich treiben damit der Kerl in Schwung kam. Heute braucht man nur die Wade anspannen und es klappt

#39 RE: Jungpferde wie starten? von GilianCo 06.09.2019 21:27

avatar

@Cancanca - ganz lieben Dank, am Ende geht es mir vermutlich gefühlt noch mehr so als allen anderen, das ich keinen Fehler machen wollte bei der Arbeit mit dem Pferd. Ich habe so gut wie keine Jungpferdeerfahrung, dafür meinen Großen schon recht lange am Langzügel, und habe auch entgegen so mancher Fachleute, entschieden, das das auch ein Teil meiner Arbeit mit Ragnar werden wird. (die einen, die ich fachlich nicht so schätze, haben erklärt, das ich mit meiner Arbeit den Vorwärtsdrang meines Kleinen ausbremsen würde - die anderen haben erklärt, das die Arbeit am Langen Zügel eine vorwiegend versammelnde Arbeit ist, wovon ein ungerittenes Jungpferd natürlich noch weit weg ist. Ganz klar. Dennoch weiß ich aus den Anfängen meines Großen, wo mir ein flüssiges Vorwärts auch noch wichtiger war als der Versammlungsgrad, das man zwar etwas mehr "rennen" muß, es aber dennoch möglich ist, nicht NUR versammelnd am Langen Zügel zu arbeiten.) Ich habe am Anfang ein Pony gehabt, wo meine Trainerin (für die Doppellonge) sagte, ich müsste ihn zunächst etwas abstumpfen, bzw. es würde uns nützen, weil er SO fein war, das jede Bewegung, jeder Atemzug, den ich bei der Arbeit gemacht habe, von ihm quittiert wurde. Daher finde ich auch sehr gut, das Marie auf dem Rücken auch sagt, erst mal zurecht rucken, das er da nicht direkt meint, er muß IMMER und SOFORT reagieren auf alles, was der Mensch macht. Unterscheiden lernen, und dadurch zur Feinheit kommen.

Um so glücklicher bin ich, das sich mein Weg bis jetzt für mich auszuzahlen scheint. Nun habe ich auch ein sehr kooperatives Pferdchen, dennoch kann ich mich einfach nur darüber freuen, das das alles so gut klappt. Und deswegen freut mich ein Lob diesbezüglich auch unsagbar

#40 RE: Jungpferde wie starten? von küwi 07.09.2019 19:05

avatar

Das größte "Problem" bei der (Jung)Pferdeausbildung ist für mich ja unter anderem, daß die Pferde lernen müssen, unsere Körpersprache zu erlernen und die gewünschte Reaktion auf bestimmte Bewegungen zu zeigen.

Die Trainer der Makeover Mustangs erzählen immer wieder, daß die Wildpferde so gänzlich anders auszubilden sind, weil sie eben völlig pur und unvoreingenommen reagieren. Im Gegensatz zu den meisten hierzulande gezüchteten Pferden haben die in ihren ersten Lebensjahren nie gelernt, Körpersprache von Menschen zu lesen und gegebenenfalls zu reagieren, ignorieren oder aber zu fürchten.

Für ein Pferd, daß naturgemäss ein Spezialist für das Lesen von kleinsten angespannten Muskeln selbst auf zig hunderte Meter Entferung ist, zeigt der Mensch selbst beim täglichen Umgang ununterbrochen irgendwelche "Anweisungen", auch wenn es uns gar nicht auffällt oder nicht bewußt ist.
Und die Pferde lernen bei der Ausbildung, diese ununterbrochenen non-verbalen Anweisungen zu befolgen oder zu ignorieren.
Denn viele "Fehlreaktionen" von (jungen) Pferden beruhen darauf, daß sie aus Unsicherheit oder Unwissenheit entweder überschießend reagieren oder aber gleich auf Fluchtinstinkt umschlagen.

So gesehen ist der Ausbildungsansatz im Sinne von aktiver Desensibilisierung sicherlich nicht falsch, sondern unter Umständen sogar angebracht. Und erst im weiteren Ausbildungsverlauf kann man dazu übergehen, die Hilfengebung wieder zu verfeinern bis man wieder bei faktisch unsichtbarer Hilfengebung angekommen ist

#41 RE: Jungpferde wie starten? von Filo2010 07.09.2019 22:40

avatar

Meine Jungpferde-Ausbildungen sind nun ja schon wieder eine Weile her. Bei Filo habe ich bereits einiges anders gemacht, als damals bei Lana (mit der Zeit gewinnt man ja neue Erfahrungen und Ideen). Und jetzt aktuell würde ich sicher auch wieder einige Dinge anders machen.
Je mehr verschiedene Methoden/Ausbilder man kennenlernt, desto größer wird der "Werkzeugkasten" für die tagtägliche Arbeit und die Problemlösung.

Die ganze Diskussion im Tagebuch des Schokohasen ist ja aufgrund meiner Abwesenheit ziemlich an mir vorbei gegangen. Ich kann vieles, was da gesagt wurde, durchaus nachvollziehen.

An dieser Stelle möchte ich nur eine Anmerkung loswerden, da das etwas ist, was mich gerade aktuell auch betraf - und zwar zum Thema Takt, welches ja ein wichtiger Punkt der Ausbildungsskala ist.
Ich finde in den Videos den Rey ziemlich über Tempo. Ich kenne das mit dem Klemmen/sich verhalten von Filo auch noch sehr gut - war ganz lange Zeit unser Thema. Und die lief deutlich langsamer als Rey.....
Inzwischen hat sich das zum Glück gegeben (außer manchmal im Schritt). Trotzdem ist das irgendwie noch immer so im Kopf. Und beim letzten Kurs mit L.Vriesen hat der mich ja erstmal "ausgebremst". Er meinte, ein ruhigerer Takt wäre sinnvoller (und Filo lief dort ja nachher auch deutlich besser - war wohl nicht ganz falsch)).

Da spielt es vielleicht doch eine Rolle, daß die Bereiterin eben den meistens ja doch größeren Takt der Warmblüter gewöhnt ist. Ich finde, Rey tritt sehr gut unter/über im Trab (der Schritt ist sowieso super) - da wäre etwas weniger vorwärts durchaus immer noch ausreichend. Und man käme dann vielleicht auch mit weniger treiben aus.

#42 RE: Jungpferde wie starten? von Cancanca 08.09.2019 10:06

avatar

Das mit dem über Tempo traben wirkt auf dem Video leider so, da ich von der Mitte aus filme und mich immer mit drehe. Real trabt er absolut im Tempo und sehr taktklar.

#43 RE: Jungpferde wie starten? von papilio-niger 08.09.2019 10:17

avatar

Mir ist auch schon aufgefallen, dass das Tempo auf Videos häufig übereilt wirkt und es in Wirklichkeit gar nicht war. So oft schon, dass ich das beim Angucken von Videos direkt geistig abziehe.

My fice cents: Mir gefällt, dass der Schokohase deutlich entspannter ist und nicht mehr den Schweif einklemmt. Schon allein dieser Erfolg spricht dafür, dass der gewählte Weg zum Pferd passt. Von der weichen Hand der Reiterin könnte ich mir selber eine große Scheibe abschneiden. Das macht sie hervorragend. Ja, der Schenkel fällt auf und sicherlich ist es grundsätzlich auch möglich, ein klemmiges oder triebiges Pferd dennoch mit einem ruhig liegenden Schenkel zu reiten, andererseits ist keiner perfekt und ich kann mir gut vorstellen, dass sie es absolut im Griff hat, ihre Schenkelhilfen zu dosieren und das ganze wilder aussieht als es ist.

#44 RE: Jungpferde wie starten? von Mailo 08.09.2019 16:11

avatar

Ich habe ein paar eingeritten und auch sportmäßig später eingesetzt, dass ging auch schon mal mit 3 Jahren
damals los. Meinen letzten, den Dayo habe ich nun mal unter ganz anderen Sichtweisen eingeritten, da
ich es sehr interessant fand/finde, was sie dazu denken. Vielleicht ist es ja bekannt, dass ich an Tierkommunikation
glaube.
Spannend schon mal zu hören, dass dieses im Kreis gerenne für sie völlig sinnfrei ist, da sie ja nie ankommen... Ah,
so hatte ich es noch nie gesehen, aber schon sinnig. :D
Seinen Menschen tragen... ok, davon sind nicht viele mega erbaut, aber sie tun es, um uns zu gefallen. Dann kommt
da der Fremde, der die schwierige Arbeit mit ihnen übernehmen soll, dass fördert nicht unbedingt das Vertrauen.
Bei all meinen Pferden, die ich eingeritten hatte, vom WB, über Pony, zum Iberer, hatten sie entweder alle Startschwierigkeiten
in Gange zu kommen, da Mensch zwar schon vorwärts wollte, jedoch der Gedanke an durchgehen und sonstigen
negativen Kopfkino in Gange war, dann machen sie doch lieber Piano. Dann kommt aber dieser ewige Druck vom Bein.
Wer das mal selbst an sich ausprobiert, wie es so ist, wenn es im 3 sekundentakt am Bauch tickt, oder presst, wird auch
bald genervt sein, wenn man bedenkt, dass sie schon den Anflug einer Fliege merken.... Diese Variante hatte ich nun auch zu letzt und es dauerte halt etwas länger, bis wir einen Level fanden.
Dann gibt es noch die andere Variante, die gleich die Flucht nach vorn nimmt und rennt.
Ebenfalls unterstützt, von unserem Kopfkino.
Ich bevorzuge da lieber die zähe Sorte. Unter dem Strich machte ich ungewollt von 4-6 jährig Bodenarbeit, da Pferd absolut
nicht in der Lage war physisch, wie auch psychisch, geritten zu werden.
Dann ging es nur in Minischritten vorwärts, so wie er es halt konnte. Dieses mal habe ich hin gehört, denn es sind schon noch
Kinder, denen man das Strahlen erhalten sollte. Einer zu Hause reicht, dem man das Strahlen weg geritten hatte.
Mein Weg war dabei bewusst ohne Gerte und Sporen, denn es musste für mich einen Weg geben, der auch ohne geht, sonst habe
ich nicht gut genug erklärt, was natürlich auch immer wieder vor kam.
Mag man für recht abstrakt halten, aber es ist nun endgenial sich mit wenig Material an Reiter und Pferd zu Leistungen
zu bringen, die ich niemals für möglich gehalten hatte.

Xobor Xobor Community Software
Datenschutz